Artikel getaggt mit ‘Philosophie’
Angst – Ein unvernünftiges Gefühl?
«Hätten Menschen vernünftige Gefühle,
könnten sie reale Gefahren besser einschätzen» (Pan)
Neulich ging ich abends noch kurz raus, ein wenig spazieren. Nach fünf Minuten kam ich in den nahen Wald. Das ist schon ein ziemlich unheimlicher Ort, der Wald, nachts im Dunkeln. Ich bekam Angst. Ich fürchtete mich wirklich sehr.
Als ich später einmal Freunde auf meine Furcht ansprach, merkte ich, viele Menschen haben im Dunkeln Angst und der dunkle Wald scheint eine Art Archetypus für Furcht zu sein, ein Angsttrigger.
Ist diese Angst wirklich angebracht?
Warum fürchte ich mich im Dunkeln? Im düsteren Wald? Warum ist das so? Warum geht es anderen auch so? Schon als Kinder fürchteten wir uns doch im dunklen Wald. Was ist es, das uns da wirklich Angst macht?
Unrealistische Risikobeurteilung
Es war schon sehr gruselig, im dunklen Wald. Wenn man sich fürchten will, ist man hier im Cholfirster Wald schon richtig. Aber mal abgesehen davon:
Bitte, welcher Räuber oder Killer setzt sich jetzt, im Winter bei minus 10 Grad Celsius irgendwo mitten in den Wald? Wenn möglich noch hinter einen Baumstrunk – und wartet nur darauf, dass zufällig jemand wie ich zufällig vorbei kommt, den er brutal meucheln kann?
Das ist natürlich extrem unwahrscheinlich. Und trotzdem fürchten wir uns doch alle im Wald irgendwie…
«Jeder glaubt gar leicht, was er fürchtet»
(de La Fontaine)
Woher kommt eigentlich diese urtümliche Angst?
Ich denke, die Angst vor dem Dunkeln ist uralt, ein archaisches Gefühl aus der Vorzeit der menschlichen Zivilisation. Aus Zeiten vor unserem heutigen Leben, unserer Städte, der technischen Errungenschaften wie Elektrizität und permanentem Licht.
Aus evolutionsbiologischer Sicht, stammt die Angst vor der Dunkelheit möglicherweise aus der Zeit, in der unsere Vorfahren noch im Regenwald gelebt hatten. Womöglich haben einige Menschen unter uns auch deshalb noch extreme Angst vor Dingen, die heute in unseren Regionen überhaupt keine reale Gefahr mehr für sie darstellen (z.B. Schlangen oder Spinnen).
Wir Menschen fürchten uns heute noch vor Lebewesen, die uns eigentlich real gar nicht mehr bedrohen können.
Für unsere Vorfahren war die Angst durchaus sinnvoll damals. Sie versetzte den Menschen in erhöhte Alarmbereitschaft und half ihm dadurch zu überleben. Vielleicht stammt die Angst deshalb wirklich noch aus der Zeit im Regenwald. Es wäre zumindest eine mögliche Erklärung.
Verstand-Emotions Diskontinuum
Gefühle, Empfindungen und Instinkte sind evolutionsbiologisch sehr alte Einrichtungen des Menschen. Sie sicherten damals wie auch heute das Überleben in unserer Umwelt.
Der Verstand hingegen ist entwicklungsgeschichtlich eher eine neue Erfindung unserer Spezies und es scheint dass, Gefühl und Verstand schlecht aufeinander abgestimmt sind.
Wir könnten tatsächliche Gefahren doch viel realistischer einschätzen, wenn unsere Gefühle vernünftiger wären.
Beispiel
Autofahren im Strassenverkehr. Da erleben wir tagtäglich reale Gefahren, aber wir fühlen praktisch keine Angst, weil der Verstand sagt: „Das kannst Du, das hast du gelernt, Du hattest 40 Fahrstunden – ich blend die Gefahren jetzt einfach mal aus!“
Autofahren ist natürlich viel gefährlicher als mein Spaziergang, nachts im Dunklen, im Wald. Aber die meisten Menschen haben trotzdem richtig grosse Angst nachts, im dunklen Wald.
In diesem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich übrigens an einem sehr gefährlichen Ort. An einem Ort, an dem die meisten Menschen sterben: im Bett.
Ich stehe jetzt also lieber auf, setz mich ans Steuer und fahre in mein Büro.
Drei philosophische Fragen
3 Fragen, die im Leben mit JA beantwortet werden sollen:
- Liebst du dein Leben?
- Liebst du was du tust?
- Liebst du mit wem du bist?
Nimm dir die Zeit einen Augenblick darüber nachzudenken…
via kreide




