Ich mache mir schon länger Sorgen über die Zukunft unserer Wirtschaft und damit auch unserer Gesellschaft. Nach 25 Jahren Berufspraxis erlebe ich es immer stärker und auf vielen verschiedenen Stufen, dass unsere Wirtschaftselite, die HSGler und MBAler, die gepredigten St.Galler Theorien skrupellos und ohne Rücksicht auf die wirklich arbeitende Schicht in unserer Wirtschaft durchdrücken. Opfer sind oft langjährige und verdiente Mitarbeiter. Opfer wird aber auch die Wirtschaft und schliesslich die Gesellschaft sein.
Ein gebührender Abschied zur Pensionierung nach 25 Dienstjahren, z.B. in der JOWA heisst heute, um 17.00 schnell die Leute zusammenzutromeln, ein Pack Chips aufzutun, eine Flasche Weisswein und ein paar Sprüche von den engsten Mitarbeitern zu hören. Der Chef hat keine Zeit, er ist an einer Schulterklopfer-Sitzung und präsentiert die KPI’s seiner Abteilung. Aber wenigstens ruft er an und wünscht alles Gute, verbunden mit dem gleichzeitigen Auftrag die Schichtpläne noch fertigzustellen und sie bis Samstagvormittag als pdf ihm zu schicken. Da der HSG-Cheff es übrigens versäumt hatte, rechtzeitig (und nach mehrmaligem emahnen) einen Nachfolger einzustellen, bekam der Pensionierte 1 Monat später telefonisch eine Anfrage, ob er nicht doch noch stundenweise kommen könnte, um den neuen (jungen deutschen BWL (!) Abgänger) in die Elektrotechnik (!) einzuführen.
Eine ganz „tolle“ Sache der HSG ist das neue Centers for Disability and Integration an der Universität St. Gallen (CDI-HSG) , wo wir zur Einweihung von Bill Clinton ein paar interessante Geschichten hören durften. Vordergründig eine gute Sache. Sogar ein Quotenbehinderter ist Mitglied im hochbezahlten Professorenteam (Funktion: Feigenblatt), ganz vorbildlich! Beim inoffiziellen Teil wurde viel über die Finanzierung und die Ziele des Centers gesprochen und es ist ganz offenkundig: Bei dieser Sponsorschaft geht es einzig und alleine darum, wie man Behinderte „ökonomisieren“ kann. Für mich als Geschfäftsführer einer Patientenorganisation einfach nur zum Kotzen!
Es geht immer mehr um Optimierung, Ökonomisierung und Wachstum. Brauchen wir das wirklich in jedem Bereich? Sollten wir nicht überlegen, was nach der Wachstumshysterie kommt? Es wird zwangsläufig Stillstand sein. Wirtschafts- und Gesellschaftsstillstand.
Eine Gesellschaft ohne Wachstum? Haben wir dazu in St.Gallen auch Professoren, die sich darüber Gedanken machen?






