Artikel getaggt mit ‘Atom’

Marodes Atomkraftwerk weiter am Netz

Skandal! Kernkraftwerk Mühleberg Schweiz erhält unbefristete Betriebsbewilligung!

Unser marodes Kernkraftwerk Mühleberg in Bern (iu, mir nämmes gäng nid so gnou) hat vor 2 Wochen eine unbefristete Betriebsbewilligung erhalten.

Geschickte Kommunikationsstrategie von Bundesbern

Die Bewilligungsanzeige wurde im weihnächtlichen Medienrummel gut versteckt. Wollte man eventuell verhindern, dass kritische Organisationen die Bewilligungserneuerung vom 17.12.09 bemerken? Praktisch, denn auch Kenner und Beobachter der Szene weilen in dieser Zeit in den Ferien.

Das Problem: Altersschwäche

Mühleberg ist total veraltet, es ist sei 38 Jahren am Netz. Die Technik ist zwar noch einigermassen im Schuss (momentan), aber der Kernmantel hat Risse, grosse Risse, z.T. schon fast durchgehende Risse. In anderen Ländern werden solche Mängel als gravierend eingestuft. Einzige vernünftige Massnahme: Der teure Austausch des defekten Kernmantels oder alternativ: die sofortige Stilllegung.

Das Schweizer Modell

Was machen unsere Berner Spezialisten in einem solchen Fall? Sie „bostichen“ die Risse mit sog. Zugankern, eine Art grosse Heftklammer, einfach zusammen. Tolle Idee! Und auch so günstig! Treten neue Risse auf (und die treten immer wieder reichlich auf) werden einfach ein paar neue Heftklammern montiert -  «Pfläschterlitaktik» wie in der Berner Politik eben. Welcher Manager hat hier wohl die Innovationsprämie für diesen Unfug erhalten? Und – Wie genau war hier wohl der Geldfluss, bei den sicherlich auch reichlich geflossenen Parteispenden?

Risiko klein, Tragweite verheerend

Beim Aufstellen z.B. nur schon von neuen chemischen Anlagen, muss ich als Betreiber heutzutage immer eine Risikoanalyse erstellen. Ein Punkt darin ist u.a. auch die Erdbebensicherheit. Mühleberg ist eine nukleare Anlage, von der Tragweite bei einem Unglück her nicht zu vergleichen mit einer «harmlosen» chemischen Produktionsanlage. Die Risse im Kernmantel würden bei einem Erdbeben wie Sollbruchstellen wirken. Eine Freilegung der Brennstäbe wäre nicht unwahrscheinlich, eine Kernschmelze deshalb nicht ausgeschlossen. Die Zuganker sind in einem solchen Fall allenfalls Kosmetik, bestenfalls wirkungslos.

Was mich daran beunruhigt ist unser guter Westwind. Würde es zu einer Kernschmelze kommen, wäre alles zwischen Bern, Luzern, Basel, Schaffhausen, Konstanz und Bregenz unbewohnbar. Millionen von Menschen müssten umgesiedelt werden. Ein Horrorszenario!

Problematik seit 20 Jahren bekannt

Schon in den 80/90er Jahren wies man auf die Mängel von Mühleberg hin. Ein aktueller Sicherheitsinspektionsbericht bemängelt nun die Klammermethode und verlangt ein überarbeitetes Instandhaltungskonzept. Man lässt Mühleberg dazu allerdings Zeit bis zum 31.12.2010. Ein Skandal, zumal bis dahin ja nur ein Konzept zur verbesserten Instandhaltung vorgelegt werden muss! Weder wird das KKW vom Netz genommen, noch wurden klare Abschaltkriterien definiert.

Schönrechnung

Bei Risikoanalysen schätzt man heute durch Rechnungsmodelle die theoretischen Risiken ab. Solche Rechnungen bringen aber nur dann annähernd sinnvolle Resultate, wenn konkrete Kriterien (und auch reale Gefahren) definiert werden. Solange diese fehlen, kann man Risiken nach Gusto schönrechnen. Leuenbergers Departement interessiert das aber scheinbar nicht. Das Uvek gibt grünes Licht. Das Ensi wird sowieso nicht von sich aus aktiv werden und das ganze einmal etwas genauer anschauen. Das Ensi ist eben sehr AKW freundlich gesinnt.

Nebenbei: Auch Beznau ist total veraltet. Risse im Reaktorbehälter, zu kleindimensioniertes Notstromaggregat, marode Rohrleitungen. Das Schlimme:  Ensi wusste davon, hielt es aber nicht für notwendig zu intervenieren. Immerhin hat Axpo nun beschlossen, die Mängel bis 2011 zu reparieren. Eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Ensi ist eingereicht.

KEIN TSCHERNOBERN!

11. Januar 2010 at 10:44 3 Kommentare

Was ist los in der Atommacht Frankreich?

Erneut atomarer Ausrutscher in Frankreich. Das Drama um unseren obersten “Chäpsler”, Herr Nef, scheint ja das perfekte Sommertheater zu sein, um von wesentlicheren Dingen abzulenken. Jedenfalls gemessen am Verhältnis der Artikelgrösse der jüngsten Tageszeitungen.  Nach dem Unfall vor zwei Wochen in Tricastin seien nun nochmals nur “…ein paar 100 g” Uran ins französische Abwasser gelangt.

Ich frage mich, was ist da eigentlich los in Frankreich? Tricastin liegt etwa 300 km von der Schweizer Grenze entfernt (oder ca. 600 km von meinem Wohnsitz!). Gibt es da eventuell auch Vorfälle, von denen wir gar nichts mitbekommen?

Unfall in Tricastin. Man erinnere sich an die Pressemeldungen vor zwei Wochen: Es seien lediglich etwa 74 kg Uran durch undichte Auffangbehälter in umliegende Gewässer gelangt (oder waren es 360 kg?). Es sei nicht gefährlich, es handle sich um nichtangereichertes Uran.

In Tricastin sind aber weit grössere Fehler passiert, wie aus der Fachzeitschrift Nucleonics Week hervorgeht.

  • Einige Tage vor dem Unfall beschädigte offenbar ein Baustellenfahrzeug ein Rückhaltebecken. Man machte sich aber nicht die Mühe, den Schaden zu beheben.
  • Am Tag des Unfalles bemerkte man zwar den Überlaufalarm um ca. 19 Uhr, fand aber keine Ursache für diesen. Man beschloss, den Alarm zu ignorieren.
  • Um 22 Uhr fiel einem der Mitarbeiter zufällig auf, dass in dem Rückhaltebecken unter den Tanks Flüssigkeit stand.
  • Um 23 Uhr erschien der Manager der Nachtbereitschaft.
  • Die Mannschaft stellte nun fest, dass neben dem beschädigten Rückhaltebecken eine Lösung im Erdreich versickert war.
  • Es dauerte vier Stunden, bis die Angestellten bemerkten, dass einer von fünf Tanks leer war (nach Wartungsarbeiten am Tag zuvor hatte jemand ein Ventil nicht komplett geschlossen)
  • Eine weitere Stunde später, also nach 4 Uhr morgens am 8. Juli, erkannte das Team schliesslich, dass radioaktive Uranlösung in die Abflüsse für Regenwasser gelaufen war.

Tolle Informationspolitik. Eilig hatten es die Verantwortlichen auch dann noch nicht. Erst um 5.30 Uhr wurde Alarm in der Anlage ausgelöst, um 7.30 Uhr die Atomaufsicht ASN informiert. Und erst um 14 Uhr, also 19 Stunden nach dem ersten Alarm, erfuhren die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden von dem Unfall.

Mängel bei früheren Inspektionen. Die frz. Atomaufsichtsbehörde ASN hatte bereits letztes Jahr bei der betreffenden Betreiberin Socatri verschiedentlich Lecks und überhöhte Chemikalien- bzw. Strahlenemissionen festgestellt. Zudem wurde die “alte Kanalisation” bemängelt.

Personelle Massnahmen. Der Silberrücken der Betreiberfirma musste nun scheinbar den Hut nehmen. Aber ist das wirklich die Lösung? Vielleicht können auf diese Weise endlich “Altlasten” saniert werden.

Altlasten. Auf dem Gelände der Betreiberin wurden Abfälle aus der Nuklearwaffenproduktion verscharrt – wohlgemerkt: ungesichert, ohne jede weitere Abdichtung. Schon seit Jahren kann im Abwasser deshalb Uran nachgewiesen werden.

Schlamperei? Die Vorfälle haben die Schwäche der Atomstromindustrie vor Augen geführt. Nachdem es sowohl in Tricastin als auch in Romans-sur-Isère jahrelang Probleme und Verstöße gegen Auflagen gegeben hat, liegt der Vorwurf der Schlamperei nahe.

Anomalie oder Störfall? Der Vorfall wurde auf der internationalen INES Skala als Anomalie, Stufe 1 eingestuft. Die ausgetretene Flüssigkeit sei ja in den umliegenden Gewässern so stark verdünnt worden, dass es praktisch unmöglich sei, eine zu hohe Strahlendosis (doppelte Hintergrundstrahlung) abzubekommen. Dafür wären etwa 0.5 g Uran notwendig.

“Da sich die Uran-Flüssigkeit in den Gewässern sofort stark verdünnt habe, habe es zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung gegeben” , sagte Thierry Charles vom Institut für Strahlenschutz gegenüber Nucleonics Week.

Umweltschützer meinen, dass es aufgrund der langen Zeitspanne vom Unfall bis zur Alarmierung der Bevölkerung wahrscheinlich ist, dass jemand kontaminiertes Wasser getrunken hat.

Stéphane Lhomme, Sprecher der Atomgegner Sortir du Nucléaire, hat direkt nach dem Unfall gesagt:

“Es ist wahrscheinlich, dass jemand kontaminiertes Wasser getrunken und jetzt Ablagerungen in seinem Körper hat.”

Heinz Smital ergänzt:

“Letztlich läuft es darauf hinaus, wer die Beweislast dafür hat, dass jemand geschädigt worden ist.”

Uran ist auch giftig. Mein Gott, es kann doch hierbei nicht nur um die Strahlendosis und die Störfallstufe gehen! Uran 238 ist per se ein sehr giftiges Schwermetall (gehen wir mal davon aus, es war tatsächlich “nur” Uran 238)! Salze vom Uran sind ebenfalls giftig. Ich gehe davon aus, dass eine Uransalzlösung in die Umwelt gelangt ist. Uran lagert sich u.a. in Knochen und bleibt dort über viele Jahre. Dies kann zu Knochenkrebs führen.

null

Lippen- Kiefer- Gaumenspalte mit Tumorbildung im IRAK durch abgereicherte sog. DU-URAN-Munition der amerikanisch-israelischen “Demokratiebringer”


Bei einer täglichen Einnahme von > 0.0006 mg Uransalz pro kg Körpergewicht können Gesundheitsschäden nicht ausgeschlossen werden (EPA).

T+ / R 26/28-33-53

Sehr giftig beim einatmen, verschlucken / Kumulierer / Schädlich für Wasserorganismen

21. Juli 2008 at 22:21 Hinterlasse einen Kommentar


Seiten

Tweets

  • Niedliches Manisch-Depressives Säugetier der Arktis: Das Bipolarbärchen. inspired by @foxeen 5 days ago

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.