Die Medien verstehen es hervorragend, mit vielen Berichten über die steigende Anzahl an Erkrankten, die Schweinegrippe H1N1 zum höchst gefährlichen Pandemieszenario zu verzieren. Das Sommerloch führte zu ausführlichen Reportagen, die ein düsteres Zukunftsbild zeichnen. Die Behörden sind bemüht, sich sicher zu geben, alles „im Griff“ zu haben:
Tamiflu und Relenza einlagern und 13 Mio. Impfdosen für eine Massenimpfung vorbereiten. Nur die Impfaktion alleine wird uns 223 Mio. Franken kosten. Braucht es eine Massenimpfung gegen Schweinegrippe?
Neue Wege bei der Produktion statt konventionelle Technik
Leider hat man für die Herstellung des Vakzins schlecht erprobte Wege eingeschlagen. Der auf den Markt kommende Schweinegrippe-Impfstoff wird ein neuartiges, ungebräuchliches „Wirkverstärkergemisch“ enthalten.
Dieses „Wirkverstärkergemisch“ ist m.W. nicht regulär zuglassen und geht auf eine Musterzulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA zurück. Es wurde bereits beim Vogelgrippe-Impfstoff grossflächig im freien Feldversuch erprobt. Das Problem: Da es bisher nicht in handelsüblichen Grippeimpfstoffen erprobt ist, fehlen die Erfahrungen.
Weniger ist mehr
Der Vorteil für die Industrie ist, dass das Vakzin mit dem Wirkverstärkergemisch, weniger Antigene benötigt. D.h. anstatt teure Antigene, verkauft man billige Excipienten (Hilfsmittel). Interessant in diesem Zusammenhang: Die USA hat den Impfstoff explicit OHNE den Wirkungsverstärker bei uns bestellt!
Eine Anfrage zu diesem Wirkverstärkergemisch bei der Deutschen Arzneimittelbehörde ergab eine etwas seltsame, verharmlosende Umschreibung; man könne diesen Wirkverstärker als „… so etwas wie Bio-Wirkstoff-Verstärker“ betrachten. Bitteschön, was an den Inhaltsstoffen des Wirkverstärkers wurde nach Biorichtlinien produziert?
Datenlage tierisch gut
Nach allem was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, scheint das Wirkverstärkergemisch tatsächlich die Wirkung des Impfstoffes zu verstärken, wenn man der grosszügig angelegten und vielversprechenden klinischen Studie an 30 Frettchen glauben mag (mehr hier) .
Allerdings werden nicht nur die erwünschten, sondern auch die unerwünschten Wirkungen verstärkt, etwa Schwellungen und Schmerzen im Injektionsbereich, im Weitern Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost u.a.m. Es sind auch sehr ernste Nebenwirkungen mit bedrohlichen Folgen denkbar, z.B. überschiessende Immunreaktion sowie aufsteigende Lähmungen. Diese Risiken sind derzeit NICHT ABSCHÄTZBAR, was nicht heisst, dass sie nicht vorhanden sind.
Damals
1976 gab es in Fort Dix (USA) Infektionen mit einem damals unbekannten Grippevirus. Präsident Ford ordnete daraufhin die Produktion eines entsprechenden Grippeimpfstoffes für alle US-Amerikaner an. Erst als 40 Mio. Bürger geimpft waren fiel auf, dass hunderte von ihnen an lebensbedrohlichen aufsteigenden Lähmungen erkrankt waren. 32 Menschen starben.
Tragisch an der ganzen Geschichte war, dass man nur die eventuelle Gefahr des Virus im Blickfeld hatte. Ausserhalb von Fort Dix kam es nämlich zu keinen Infektionen mit dem Virus.
Impfadjuvans im Grossversuch testen?
Normalerweise gewinnt man nach der Zulassung neuer Medikamente nach und nach Informationen und Erfahrungen zu Wirkung und Nebenwirkung. Ich sehe beim neuen, relativ schlecht erprobten Schweinegrippe-Impfstoff diesbezüglich mögliche Risiken. Der Impfstoff soll innert kürzester Zeit 6.5 Mio. Menschen in der Schweiz gespritzt werden. Man könnte das auch als ein „Grossversuch der Pharmaindustrie an der Bevölkerung“ sehen.
Treten dabei unerwartete Nebenwirkungen auf, könnten in kurzer Zeit sehr viele Menschen betroffen sein, bevor entsprechend Gegensteuer gegeben werden kann.
Und wieder: Das giftige Schwermetall Quecksiler
Der Verdacht drängt sich auf, dass hinter dem Grossauftrag für Schweinegrippe-Impfstoffe mit Wirkverstärkern eher die Interessen der Hersteller an einem einfacher und günstiger zu produzierenden Medikament stehen, als die Interessen der Menschen an einem bewährten und optimal verträglichen Impfstoff. Dafür spricht auch, dass im Impfstoff eine Quecksilberverbindung als Konservierungsstoff enthalten ist, die auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO aus modernen Impfstoffen längst verbannt worden ist.
Massenimpfung wahrscheinlich übertrieben
Ich denke, eine Massenimpfung ist übertrieben. Glücklicherweise verläuft die Schweinegrippe nach wie vor überwiegend milde. Trotzdem wird bereits jetzt öffentlich zur Impfung gegen die Schweinegrippe geraten. Das Argument, das Schweingrippevirus könne durch Kontakt mit saisonalen Grippeviren mutieren und zu einem sehr gefährlichen Virus werden, ist keines. Theoretisch ist es zwar denkbar, dass dies geschehen könnte. Sollte das Virus aber so stark mutieren, würde die heutige H1N1 Impfung sehr wahrscheinlich wenig helfen. Der Impfstoff wirkt ja nur gegen die Erreger, deren Antigene er enthält.
Interessant dazu ist auch die Tatsache, dass man eigentlich gar nicht weiss, wie stark der Impfstoff tatsächlich schützt. Vor der Marktfreigabe wird nämlich lediglich geprüft, wie stark der Impfstoff die Antikörperwerte im Blut steigen lässt. Dies sagt aber letztlich nichts über den Schutz des Menschen vor den Folgen von Infektionen wie z.B. Asthmaanfälle, Bronchitis, Lungenentzündung oder Tod aus.
Es erstaunt mich sehr, dass in Anbetracht der hohen Kosten, die mit diesem gigantischen Auftrag verbunden sind keine klinischen Studien gekoppelt sind, welche den tatsächlichen Nutzen des Impfstoffes für den Geimpften untersuchen. Zumindest hätte man auf diese Weise eine Basis auf der die Strategie für künftig Pandemien diskutiert werden könnte.
Eignung für Schwangere umstritten
Die WHO empfiehlt m.W. die Impfung auch für Schwangere. Diese Empfehlung halte ich aber für bedenklich, da der Impfstoff das besagte Wirkverstärkergemisch enthält, für das die Erfahrung bei Schwangeren fehlt. Schwangere in den USA können aber geimpft werden, da man dort auf das konventionelle Präparat setzt.
Fazit
Eine Massenimpfung ist hierzulande nicht empfehlenswert, da die Schweinegrippe milde verläuft. Zudem basiert der Impfstoff nicht auf der bewährten Produktionsweise. Die unkalkulierbaren Risiken, die das Wirkverstärkergemisch mit sich bringt, sind auch dadurch nicht gerechtfertigt, dass i.d.R. gesunde Menschen geimpft werden.
Details für Interessierte
Das Wirkverstärkergemisch AS03 von GlaxoSmithKline GSK, das bei dem Impfstoff zur Anwendung kommen soll, besteht aus folgenden Substanzen:
10.69 mg Squalen
11.86 mg DL-alpha-tocopherol
4,86 mg Polysorbat 80
Das Adjuvans AS03 ist bei der H5N1 Geschichte an 39000 Probanden getestet worden und scheint verträglich zu sein. Eine unreflektierte Übersicht von solchen Adjuvantien gibt es hier bei der WHO.
Sind diese Substanzen bedenklich?
Aus der Distanz betrachtet, pharmakologisch eigentlich wenig bedenklich. Da es sich bei allen Substanzen um natürliche oder von natürlichen Stoffen abgeleitete Substanzen handelt.
Die Tatsache, dass ich aber praktisch keine öffentlich zugängliche Studien oder Daten zur Toxikologie der daraus hergestellten Emulsion für parenterale Anwendung finde, stimmt mich nachdenklich.
Squalen ist eine organische, ungesättigte Verbindung aus der Gruppe der Triterpene, die von allen höheren Organismen produziert wird. Der Stoff spielt auch im menschlichen Stoffwechsel eine Rolle. Squalen ist in der Natur weit verbreitet und auch in verschiedenen Lebensmitteln zu finden.
Im Menschen ist es eine Zwischenstufe der Biosynthese von Cholesterin, Steroiden und Vitamin D.
Toxikologisch demnach wenig bedenklich, dachte ich, wäre da nicht der Bericht von Barbro C. Carlson et al. 2007. Die Forscher haben festgestellt, dass Ratten nach nur einmaliger Injektion von Squalen-Mikroemulsion eine chronische, immunvermittelte Entzündung bzw. eine rheumatoide Arthritis entwickelt hatten. OK, vergessen wir nicht, dass Squalen gezielt zur Provokation einer verstärkten Immunreaktion beigesetzt wird.
alpha-Tocopherolacetat ist Vitamin-E-acetat, ein Provitamin. Keine toxikologischen Bedenken, wenn nicht überdosiert wird.
Polysorbat 80 ist ein Polyoxyethylensorbitanmonooleat und wird als nichtionisches Tensid in Kosmetika, Arzneimitteln, Futtermitteln und besonders als Emulgator in Lebensmitteln verwendet. Wird nach meiner Erfahrung schon lange in der parenteralen Applikation eingesetzt und ist unproblematisch. Cave: Ursprung beachten. Es gibt Polysorbat 80 veg. (pflanzlich) und Polysorbat 80 animal (tierisch). Beide haben ihre Vor- und Nachteile bei der parenteralen Applikation (Allergiepotential).
Öl/Wasser Mikroemulsionen mit unbekanntem Wirkmechanismus
Squalen ist wasserunlöslich, Polysorbat ein Dispergator/Emulgator, Vitamin-E-Acetat ein Stabilisator. Damit kann man wunderschöne, stabile Öl in Wasser Emulsionen herstellen. Doch wozu? Der genaue Wirkmechanismus dieser Mikroemulsionen ist noch nicht bekannt. Die Wirkung könnte wie bei ähnlichen Systemen (Novartis MF59, Squalen 9.75 mg, Polysorbat 80 1.175 mg, Sorbitan trioleat 1.175mg) auf verbesserter Antigen-Delivery beruhen und/oder auf der Beeinflussung der Proteinsynthese in der Zelle oder auf verbesster cd4 t-Zellen und/oder b-Zellen Erinnerung bzw. response (mehr hier). Es ist anzunehmen, das Squalen das Immunsystem stimuliert. Für das o.g. AS03 von GSK liegen aber keine zugänglichen Daten vor. Ein anderer Wirkungsverstärker ist AF03 von Sanofi Pasteur (Squalene-containing emulsion (2.5% emulsion))
Novartis war vor vielen Jahren bereits mit seinem squalenhaltigen Wirkungsverstärker MF59 in den Schlagzeilen, weil Ratten bei Versuchen Lähmungen und ernsthafte Arthritissymptome zeigten. Versuche an Menschen mit Konzentrationen von 10 to 20 ppb (parts per billion) Squalen zeigten ernsthafte Immunreaktionen bis hin zu Autoimmunreaktionen.
Ich fide es bedenklich, dass erstmals grossflächig ein neuartiger Immunverstärker eingesetzt werden soll. Ich verstehe die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Interessen dahinter. Man benötigt viel weniger Antigen-Substanz. Bei einer rasch fortschreitenden Pandemie sicherlich sehr von Vorteil, da man schneller die nötigen Impfdosen herstellen kann. Auch wissenschaftlich finde ich die Nano- bzw. Mikroemulsionstechnologie sehr interessant.
Jedoch finde ich es jedoch nicht OK, dass über das Thema in der Öffentlichkeit und Medien nicht offen kommuniziert wird.
