Wie bei der Entwicklung von Viagra, das ursrünglich als Medikament zur Behandlung von pulmonaler Hypertonie entwickelt wurde, macht man nun beim Arzneistoff Flibanserin ebenfalls eine Nebenwirkung zur Hauptwirkung.



Flibanserin, BIMT-17, CAS# 167933-07-5
Ein Antidepressivum?
Flibanserin erinnert in seiner Struktur eher an ein 5-HT Antagonisten und tatsächlich, die Substanz wurde ursprünglich als Antidepressivum entwickelt. In den klinischen Studien zeigte der Wirkstoff aber praktisch keine antidepressiven Eigenschaften. Aber die Tatsache, dass viele Frauen das Medikament am Ende der Studie noch weiter einnehmen wollten, machte die Studienleiter stutzig.
Erhöhte Pillen-Retention bei Studienende festgestellt!
Die Probandinnen hatten bei der anschliessenden Befragung angegeben, dass sie mehr und öfters Lust auf Sex verspürten und auch öfters befriedigenden Sex hatten als ohne Flibanserin.
Die erogenste Zone der Frau: Das Gehirn
Flibanserin setzt bei den Neurotransmitter-Systemen im Gehirn an, die eine Rolle beim sexuellen Verlangen spielen. Es wirkt daher völlig anders als etwa die Potenzpille Viagra von Pfizer, die auf die Blutgefässe abzielt. Die Wirkungsweise von Viagra ist relativ simpel: Es erweitert die Blutgefässe und steigert die Blutzirkulation in den Genitalien. Dieser rein physikalische Effekt scheint für die Performance und die Lust am Sex bei Männern auszureichen.
Frauen sind komplizierter: Der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Orgasmus ist, dass die Frauen das Gehirn beim Sex brauchen. [Sorry Männer, es ist tatsächlich so!]
Fest steht: Die Substanz Flibanserin steigert das sexuelle Verlangen – der Hersteller Boehringer Ingelheim strebt nun die Zulassung an. Der Markt für Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) sei gross.
Man spricht schon heute vom Rosa Viagra (dem Viagra für die Frau), obwohl es nicht auf die gleiche Weise erregend wirkt wie Viagra (Sildenafil) – mangels eines tollen Namens für das Rosa Viagra. Ich schlage z.B. folgende Bezeichnung vor:
Xamboga (von Sanskrit संभोग, Sambhoga = sexuelles Geniessen)
oder
Madagra (von Sanskrit मद, mada = sexuelles Verlangen)
(BTW: ähnlich wie beim maskulinen Pendant Viagra von Sanskrit व्याग्र, vyaagra = Tiger)
Statistik ist nicht alles
Übrigens wurden bereit 1400 Frauen in Nordamerika über zwei Jahre entweder mit Flibanserin oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. Vor Beginn der Tests hatten die Frauen im Mittel 2,8 befriedigende Sexualkontakte im Monat. Nahmen sie Flibanserin ein, stiegen diese auf 4,5, unter Placebo immerhin auf 3,7.
Keine bedeutsamen Zahlen, könnte man denken. Witzig dabei waren aber die vielen positiven Tagebucheinträge zu Lust, Lustempfinden, Geilheit, Sex etc. Das ist bedeutsam.
Übrigens: Ich behaupte NIE MEHR, ich hätte zuwenig Sex, nach Studium obiger Zahlen. Unser Jahresziel (1x/Tag) zieht sich hartnäckig durchs 2009.
Keine Lust = Krank?
Zu geringes sexuelles Verlangen ist in der heutigen Zeit eine eine Störung. Für eine Frau eine erhebliche Belastung. Die Ergebnisse zu Flibanserin belegten, dass man „aufregende Fortschritte“ bei der sexuellen Gesundheit (!) der Frau gemacht habe.
Kann man aber auch anders sehen: Ist das ev. nicht einfach wieder eine Störungen die regelrecht erfunden wurde, um neue Märkte für Medikamente zu erschliessen? Ist die weibliche Libidostörung nicht einfach übertrieben?
Klar, das Medikament löst nicht die oft komplizierten seelischen oder sozialen Probleme, die sexuellen Störungen bei der Frau zugrunde liegen, etwa Stress oder ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper.
Alternative
Statt neue Pillen zu erfinden, hilft vielleicht auch dies bei Unlust: Man sollte Frauen zuhören, die Probleme haben.
Jedoch finde ich, dass sich Frauen nach ein bisschen wildem Sex bedeutend konkreter ausdrücken können
Ergänzung I : Ich habe zugehört. Und – Nicht wenige Frauen wünschen sich das Rosa Viagra! Möglichst rasch!
Ergänzung II : Eine Zulassung von Xamboga wäre in 18 Monaten möglich. BI bestätigte diese Frist aber bisher nicht.
